AKTUELLES BESONDERES INTERESSANTES |
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Texte, Geschichten, Anekdoten und mehr von Christa Kössner … |
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___________15.05.2012___________
DA IST ETWAS IM BUSCH … (Pflegestation auf Lanzarote)
Irgendetwas ist anders hier, seit gestern. Ich weiß zwar nicht genau, was? Trotzdem spüre ich ein Kribbeln in meinem Bauch. Frau Margarete, die hier 52 gerettete Hunde betreut, bis sie ein neues Zuhause in Österreich oder Deutschland gefunden haben, streichelt mich öfter, als die Tage zuvor. Sie redet mit mir in Menschendeutsch, flüstert mir geheimnisvolle Worte in die Ohren und dabei lächelt sie vielsagend! Was ist bloß los hier? Kommt vielleicht der Hundeweihnachtsmann mit einem vollen Futtercontainer für uns? Schon wieder hebt mich Frau Margarete hoch, sie drückt mich innig an ihr Herz und plötzlich verstehe ich wie durch ein Wunder, was sie mir schon die ganze Zeit erzählen will: Gipsy, du darfst nach Wien fliegen! Nach Wien? Wo ist denn das? Fliegen? Ich bin doch ein Hund, kein Vogel! Das Grummeln und Kribbeln in meinem Bauch hört ab diesem Moment nicht mehr auf. Vielleicht gibt man mir deswegen eine Extraportion Futter in Margaretes Wohnzimmer, ohne die anderen Pfoten und Schnauzen, weil die mir sonst immer alles wegfressen! Kurz gewufft, bekomme ich eine Art Sonderbehandlung, seit gestern, als das Telefon geklingelt hatte und sich die Freudentränen von Frau Margarete als Sturzbach übers Gesicht entpuppten. Täglich werde ich gebürstet, obwohl das ein ziemlich mühsames Unterfangen ist, bei meinem Fellgestrüpp … Täglich ein Schüsselchen Trockenfutter mehr … das geht ungefähr zwei Wochen so dahin … bis sich eines Morgens ganz viel mehr tut hier in der Pflegestation! Aufregung pur! Ich bekomme sogar ein Bonbon ins Maul serviert! Und dann werde ich müde … schläfrig … gäääähhhhhn … am helllichten Tag … komisch … aber was mache ich mir trübe Gedanken … Der liebe Gott im Hundehimmel wird’s schon richten … (Fortsetzung folgt)
___________07.05.2012___________
IM WEIT ENTFERNTEN WIEN …
… sitzt Christa vor dem PC und surft sich durch diverse Tierschutz-Webseiten, einfach so und ohne Hintergedanken auf ein Abenteuer der besonderen Art. Denn genauso käme es der Christa vor, würde sie einen Hund aufgrund eines Fotos im Internet zu sich aufnehmen. Noch dazu, wo man nichts über dessen Vorgeschichte kennt. Während sie Seite um Seite durchblättert … und dabei in viele, traurige Hundeaugen blickt, die auf ein Zuhause hoffen … taucht das Foto eines kleinen, grauen Etwas auf dem Bildschirm auf. Zuerst hinter schweren Eisengittern, dann sichtbar hoch gehoben in Menschenhänden: Gipsy. Liebe auf den ersten Blick. Christa spürt das sofort. Herzklopfen. Tränen der Berührung. Weiche Knie. Wie beim ersten Rendezvous als Teenager! Erst zwei, drei Stunden später kommen Zweifel. Fragen wie zum Beispiel „Was mache ich, wenn Gipsy krank ist, oder eine Kläfferin? Was tue ich bloß, wenn sie ihre Häufchen im Haus macht? Kann ich überhaupt einen 7 Monate jungen Hund so versorgen, dass er hier glücklich ist?“ Die Telefonnummer der vermittelnden Tierschutzorganisation auf dem Tisch blinkt der Christa ziemlich auffällig entgegen … und in diesem Moment spürt sie wieder dieses einmalige Glücksgefühl voller Liebe … das da gewesen war, als sie Gipsy`s Foto zum ersten Mal gesehen hatte. Was jetzt kommt, ist ganz leicht. Telefonnummer wählen, sich vorstellen und Ja sagen. JA, ich will die kleine Gipsy zu mir nach Wien holen! Fortsetzung folgt.
___________23.04.2012___________
AUF DER PFLEGESTATION
So schnell kann ich gar nicht schauen oder hundlich denken, um zu begreifen, was jetzt mit mir passiert. Ich werde in eine Box verfrachtet – aber liebevoll! Dann knallen Autotüren und ab geht die Post. Hunde haben bekanntlich keinen Zeitbegriff, deswegen weiß ich nicht, wie lange wir in mein neues „Zuhause“ gefahren sind – das eine Art Auffangstation für ungefähr 50 gerettete Hunde darstellt, die allesamt dem sicheren Tod entronnen sind – dank der Tierschützer vor Ort. Man hebt mich heraus … lässt mich runter … zu den anderen Hundefreunden … große und kleine … Rüden und Weibchen laufen hier durcheinander über den Hof … überall gefüllte Wasserschüsseln und viel Platz in Nischen und Ecken zum Verstecken, falls mir danach ist … denn ein bisschen unsicher fühle ich mich schon. Das legt sich aber, als ich Futter bekomme. Nicht ein paar Krümelchen, sondern einen halb gefüllten Napf ganz für mich allein!! Meine HundekollegInnen halten Abstand, als würden sie spüren, dass mein geschrumpfter Magen jetzt eine Füllung braucht. Ich bin sooooo dankbar für das alles, soooo dankbar. Später wird sogar von der lieben Frau, die sich hier um diese Hunde kümmert, der Versuch gemacht, mich zu frisieren! Zum ersten Mal in meinem jungen Leben interessiert sich jemand für mein Aussehen, das - zugegeben - fürchterlich verwahrlost wirkt. Die Bürste hat keine Chance meine verfilzten Locken zu entwirren, also muss eine Schere her. Ich habe Angst vor dem spitzen, glänzenden Ding und zapple, was das Zeug hält. Einfühlsam wird darauf reagiert … und deshalb ist meine Frisur jetzt einseitig … Irgendwann in nächsten Tagen fange ich ein paar Wortfetzen auf, die mir Herzklopfen bescheren: „Wir werden die Kleine fotografieren und ins Internet stellen. Vielleicht finden wir so ein Zuhause auf Lebenszeit für Gipsy.“ Einerseits weiß ich jetzt, dass ich hier nicht ewig bleiben darf, weil fast jeden Tag neue Pfoten dazu kommen – und das stimmt mich traurig. Andererseits habe ich vielleicht wirklich die ganz große Chance auf eine neue Heimat? Ich wage kaum, mir das vorzustellen … ICH, ein Pudelmischling mit schiefer Frisur, einem Gebissmakel und einer Schnur auf dem Kopf, der weder „Sitz“ oder „Platz“ versteht und nichts von der Welt kennt, außer schwarze Lavasteine? Ausgerechnet ich soll eine Chance bekommen vom lieben Gott, ähhh ich meine vom Internet? Was ist das eigentlich? Egal, ich ziehe mich lieber in einen Winkel zurück, um vom großen Glück zu träumen … Fortsetzung folgt.
___________12.04.2012___________
EIN WUNDER FÜR MICH
Hunde haben einen enorm großen Lebenswillen, das ist ja bekannt. Bei mir aber droht er langsam zu versiegen … ich weiß nicht, wie lange ich hier schon eingesperrt bin … Irgendwann erhasche ich einen Satz von einem Wärter und weil ich Gott sei Dank die Menschensprache verstehe, weiß ich jetzt von meiner letzten Stunde. Es heißt, dass alle eingefangenen Hunde hier höchstens drei Wochen bleiben. Werden sie nicht abgeholt und damit gerettet, droht Erschlagen oder Vergasen. „Die Kleine dort ist seit 19 Tagen hier, es wird Zeit.“ DAS waren die Worte, die mein junges Hundemädchenherz seitdem erfrieren lassen. Ich glaube an den lieben Gott. Ich glaube an das Gute. Und – ich glaube an Wunder, seit ich auf der Welt bin! Niemand kann mir das nehmen. Mit solchen und ähnlichen Gedanken tröste ich mich und meinen abgemagerten Körper. Macht nix. Der liebe Gott hat mich auch so ganz doll lieb.
Am 20. Tag meines Hier seins tut sich plötzlich was! Ich sehe zwei Menschen, die ich nicht kenne, an den Zwingern hin und her laufen! Sie reden miteinander, diskutieren offenbar wegen einer sehr wichtigen Sache! Und dann – ganz plötzlich – öffnet ein Wärter die schweren Gitter von meiner Zelle – und – eine weiche Frauenhand hebt mich heraus – sie hebt mich hoch in die Luft – und sagt: „Dich nehmen wir mit.“ Vor lauter Freude kann ich kaum atmen. Mein lieber Gott hat nicht auf mich vergessen! Er hat mir ein Wunder geschenkt, obwohl ich so mager und hässlich bin … obwohl ich einen Überbiss habe und obwohl noch immer ein Stück Plastikschnur auf meinem Kopf befestigt ist! Ich daaaaarf raaaaaaus aus der Hölle!! Ich darf leben … Fortsetzung folgt!
___________02.04.2012___________
GEFANGEN …
In Sekundenschnelle begreife ich, dass hier kein Spielplatz für mich und meine Hundefreunde ist – sondern ein Bunker für streunende Pfoten. Ich bin in der Tiertötungsstation auf Lanzarote gelandet. Die groben Männerhände halten mich immer noch hoch in die Luft. Sie amüsieren sich über mein Zappeln und machen sich über mein verzweifeltes Ringen nach Luft lustig. Innerhalb der nächsten fünf Minuten geht alles ganz schnell. Mein kleiner, abgemagerter Körper landet auf hartem Betonboden in einer Zelle, die von schwerem Eisengitter umgeben ist. Kein Futter hier … kein Wasser … nur Kot am Boden … kein Stroh, kein Decke … es gibt hier absolut nichts, wo ich mich hätte verstecken können … Es ist aus. Mein Leben ist aus und vorbei … noch bevor es richtig begonnen hat. Lieber Gott – denke ich unendlich traurig – wo bist du? Was habe ich getan, dass du mich so hart bestrafst? Aus der Box daneben höre ich verzweifeltes Jaulen und Schreien. Soeben packt man einen mittelgroßen, wunderschönen Rüden am Genick und trägt in wo anders hin, nach hinten … dort wo der fürchterliche Gestank herkommt. Ich bin so hungrig, so durstig und – was am allermeisten schmerzt – ich fühle mich sooooo verlassen … so einsam … und so hilflos … Einen kurzen Lichtblick beschert mir am nächsten Morgen ein Stück altes Brot, das jemand in meinen Kerker wirft. Aber noch bevor ich mich darauf stürzen kann, schnappt sich mein Zellenbruder, ein großer Brauner mit buschigem Schwanz, den vermeintlichen Leckerbissen. Für mich bleiben ein paar Krümel übrig, die ich mit einem solchen Heißhunger verschlinge, als wären es Hühnerbrüstchen! Ein Tag wie der andere vergeht … ich weiß nicht, wie viele Tage ich hier schon eingesperrt bin. Egal. Es ist aus. Endstation. Fortsetzung folgt!
___________21.03.2012___________
MEINE VERFLIXTE NEUGIERDE …
… lässt nicht locker!! Es zieht mich immer öfter in die Gegend, wo dieses laute Bellen zu hören ist! Oft vermischt sich das Gekläff mit Jaulen und Heulen … manchmal mit Winseln. Das müssen ja mindestens achtzig oder mehr Hundefreunde sein, die dort leben?! Wie schööööön, da muss ich unbedingt hin. Will nicht mehr alleine sein, will spielen und fressen und frisches Wasser trinken! Meine jungen Pfoten sind jetzt nicht mehr zu bremsen. Immer schneller laufe ich im Galopp durch unbekannte Straßen und stolpere über schwarze Lavasteine, die hier überall herum liegen. Macht nichts! Meine Vorfreude ist so riesengroß, dass ich auf meine geschundenen Füße ganz und gar vergesse. Ich habe mein Ziel fast erreicht, ein paar hundert Meter vor mir erspähe ich einen hohen Zaun und dahinter ein großes, graues Haus … oder was soll das sonst sein? Ein Bunker? Eine Garage? Warum stinkt es hier so fürchterlich? Zu mehr Rätselraten komme ich nicht. Grobe Männerhände packen mich am Hals und schleudern mich hoch. Noch heute, nach über sechs Jahren, erinnere ich mich an die grausamen Worte, die sich wie ein Dolch durch mein fünf Monate junges Herz bohren: „Holla! Wen haben wir denn da? Bist du ein braver Hund. Kommst freiwillig her zum Vergasen! Oder willst du lieber erschlagen werden? Hahahaha!“ Fortsetzung folgt!
Wie allles begann und weitere Fortsetzungen finden Sie im Archiv. |
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